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Wie gehts zurück in meinen Wunschbereich? AutorIn
Frage, 28.04.2007

Liebe Beraterinnen von womens careers,

ich habe von euerem Service erfahren und wollte euch zunächst ein großes Lob für eure Arbeit aussprechen!
Ich habe mich auch gefreut, eine Anlaufstelle für meine persönlichen Schwierigkeiten gefunden zu haben. Kurz zusammengefasst: Ich bin X Jahre alt, seit mehreren Jahren mit meinem sehr gut abgeschlossenen Studium als Diplom-Sozialwirtin fertig und bin bisher nirgendwo angekommen. Ich muss dringend was unternehmen, bevor ich mir selbst gar nichts mehr zutraue.

Ich arbeite derzeit als Projektkoordinatorin in einer Firma – bin also komplett fachfremd beschäftigt. Ich erledige allerdings nur äußerst langweilige Dinge (Ordner anlegen, faxen etc.) und muss die Projektmanager regelmäßig zur Abgabe von Aufgaben auffordern. Das alles ist auch noch ziemlich schlecht bezahlt. In dieser Firma arbeite ich nun seit knapp X Jahren, nachdem ich zuvor in meinem Wunschberufsfeld internationaler Austausch gearbeitet habe. Leider war ich damals nur befristet beschäftigt und die Stelle war immer wieder in Diskussion.

Dabei sollte die neue Arbeit auch als Sprungbrett in meine Wunschstadt herhalten – nur leider habe ich, seit ich in dieser lebe, nur äußerst wenige Stellenausschreibungen innerhalb eines Jahres gesehen, die für mich wirklich in Frage gekommen wären. Ich habe mich auch auf meine Traumstelle beworben, leider ohne Erfolg – ich habe nicht einmal ein Vorstellungsgespräch bekommen, obwohl ich sämtliche Anforderungen erfüllen konnte.

Ich bin jetzt am Überlegen, was ich machen soll. Ich bin hoffnungslose Idealistin, will also unbedingt in den Non-Profit- Bereich, habe mich am meisten mit Gender, Migration und interkultureller Kommunikation beschäftigt (und lasse mich ab Herbst auch zur interkulturellen Trainerin ausbilden). Ich könnte mir am ehesten Jugendbildungsarbeit, Organisation von internationalem Austausch, Beratung von Migrantinnen oder – eher etwas unerreichbar – Entwicklungshilfearbeit vorstellen.
Ich frage mich nur, wie ich jemals dahin kommen soll. Ich habe überlegt, als Ehrenamtliche in einem Verein mitzuarbeiten, aber ich weiss einfach nicht, wie ich das noch in meine Termine zwischen Weiterbildung und Vollzeit-Arbeit zwängen soll. Meine Fortbildung zur interkulturellen Trainerin wird noch mal Ressourcen binden, aber eigentlich müsste ich noch mal ins Ausland, um diesen Schritt auch vernünftig angehen zu können. Leider sind meine Ersparnisse bisher auch für die Fortbildung draufgegangen, ich kann mir auch nichts mehr selbst finanzieren.

Ich habe bisher nur Bewerbungen geschrieben, wenn ich alles zu 100% erfüllen konnte, was die Leute wollten. Ich habe jetzt Angst, dass ich zu lange gewartet habe, wenigstens etwas anderes ansprechendes zu finden, und dass meine Qualifikationen eher entwertet als durch nennenswerte Berufserfahrung unterfüttert wurden. Ich sehe also auch keine wirkliche Alternative darin, mich einfach auf eine besser bezahlte Stelle zu bewerben, die aber trotzdem nicht das ist, was ich eigentlich will.
Wie könnte ich es angehen, mich mehr in meinen Wunschbereich fortzubewegen? Ich habe das Gefühl ich müsste dazu einen wirklichen Bruch machen, sprich selbst kündigen und dann durch Praktika und Fortbildungen in den Wunschbereich „rutschen“ – aber der Gedanke daran macht mir selbstverständlich Angst, da es ja keine Garantie gibt, dass mich dann jemand tatsächlich einstellt und Geld hätte ich auch keins mehr. Wie bewerkstelligt frau die berufliche Neuorientierung am Besten? Ich wäre für Anregungen sehr dankbar!


Deutschland
Antwort

Liebe Frau M.,
schön, dass Sie auf unsere Beratungs-Community gestoßen sind.
Sie beschreiben in Ihrer Beratungsanfrage Ihren beruflichen Werdegang und Ihre aktuelle Situation. Insgesamt ist diese Beschreibung durch große Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand und dem Bedürfnis nach genereller Veränderung geprägt.
Ich möchte diese beiden Aspekte zunächst einmal für Sie positiv umdeuten:
1. Sie befinden sich in Arbeit und können somit von dieser „gesicherten“ Position aus nach Neuem suchen. Den Bruch, sprich die Eigenkündigung, von der Sie sprechen, sowie die nachfolgenden Praktika kann ich Ihnen nicht empfehlen, denn er birgt – das haben Sie ja selbst schon erkannt – erhebliche Risiken.
2. Sie können schon recht präzise Ihren beruflichen Wunschbereich benennen, das erleichtert die Konkretisierung der nächsten Schritte.

Ganz Ihren Interessenschwerpunkten folgend und somit eine gute Entscheidung ist Ihre geplante Fortbildung als interkulturelle Trainerin. Sie erwerben damit nicht nur anerkannte Qualifikationen, sondern Sie erhalten während der Fortbildung über den Weiterbildungsanbieter und die Dozent/-innen schon Zugang zu wichtigen Netzwerken und Kontakten, die für Ihre berufliche Entwicklung nutzbringend sein können.
Generell möchte ich Ihnen in Ihrer momentanen Situation empfehlen, aktiv Kontakte zu solchen Organisationen und Personen zu recherchieren und aufzubauen, die in Ihrem Wunsch-Arbeitsbereich tätig sind. Warten Sie nicht auf Stellenausschreibungen, denen eh niemand zu 100 % genügen kann, gehen Sie selbst auf diese Personen und Organisationen zu.

Kennen Sie z.B. das GSI (Gustav-Stresemann-Institut) in Bonn, das im Bereich interkultureller bildungspolitischer (Jugend-)Austausch seinen Schwerpunkt hat? Schauen Sie einmal unter: http://www.gsi-bonn.de/das_gsi/index.htm nach. Bei meiner Kurzrecherche habe ich auch z.B. diese Hinweise gefunden:
http://deutsche-kultur-international.de/home/index.html Hier finden Sie zahlreiche Anschriften von Organisationen, die im Bereich Auslandskultur tätig sind sowie mögliche Tätigkeitsfelder.
Außerdem das Youth for Understanding Komitee e.V. unter: http://www.yfu.de/.
Selbstverständlich können Sie auch über die Generalkonsulate der Länder Kontakte zu Organisationen suchen, die interkulturelle Arbeit betreiben.
Wenn es um Gender und Migration und Integration geht, finden Sie hier gute Hinweise:
http://ec.europa.eu/employment_social/fundamental_rights/index_de.htm
und hier: http://www.kompetenzz.de/vk06/

Trauen Sie sich selbst mehr zu, dann treten Sie auch überzeugend auf. Zum Beispiel arbeiten viele ProjektkoordinatorInnen wie Sie fachfremd, denn es geht ja genau um die besondere Fähigkeit, auch in „fremden“ Kontexten zu organisieren, zu verwalten, voranzutreiben und den Zwischenstatus abzufragen, eben eigeninitiativ zu sein.
Ich glaube, dass Sie schon im Aufbruch sind, die Fortbildung beginnt ja bald, weitere Veränderungen werden folgen. Nutzen Sie die Zeit, sich intensiv zu orientieren und zu suchen, doch verlangen Sie keine überschnellen Erfolge.

Ich hoffe, diese Hinweise helfen Ihnen ein wenig weiter. Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.
Margit Althoff



Beraterin
Margit Althoff
 
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