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Ich fühle mich ziemlich verschaukelt - Auswahlverfahren AutorIn
Frage, 19.06.2007

Da mir meine Festanstellung gekündigt wurde, bin ich seit einiger Zeit freiberuflich tätig, Nun bin ich auf der Suche nach einer neuen Festanstellung, da ich für den Unterhalt der Familie verantwortlich bin. Ich bekomme Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, bekomme auch eine mündliche Zusage, aber bei den Gehaltsvorstellungen falle ich dann fast tot vom Stuhl. Ein Assessment Center läuft super, das Unternehmen möchte mich als einstellen, aber dann kommen nur weitergehende Informationen wie: Die vakanten Positionen passen nicht.

Nun meine Frage: Was mache ich verkehrt? Ich bin im Moment ziemlich am Boden zerstört. Vielleicht kann mir ja einer weiterhelfen.
Vielleicht bin ich nicht die typische Frau mit Minirock, die sich alle wünschen, vielleicht bin ich im Vorstellungsgespräch zu dominant und die Chefs bekommen Angst vor mir?
Ich habe keine Ahnung woran es liegt.

Vielen Dank für's Lesen und eventuell eine Antwort.


Deutschland
Antwort

Liebe Frau D.,

beim Lesen Ihrer Anfrage fällt mir auf, dass Sie aufgrund Ihrer Bewerbungsaktivitäten zu Vorstellungsgesprächen und ACs eingeladen werden und dass Sie auch Arbeitsangebote erhalten. Sie machen also anscheinend zunächst einmal eine ganze Menge richtig sowohl was die schriftlichen Unterlagen angeht als auch Ihr Verhalten in Vorstellungssituationen. Leider führt dies aber noch nicht zu dem von Ihnen gewünschten Ergebnis.

Die entscheidende Frage ist, wie und an welchen Stellen Sie Ihr Bewerbungsverhalten und Ihre Selbstvermarktungsstrategien optimieren können. Es ist auch wichtig, genauer zu schauen, welche Aspekte Sie nicht selber ändern können, da sie nicht in Ihrer Hand liegen sondern von außen vorgegeben sind.

Wenn ich Sie richtig verstehe, dann frustriert Sie besonders,
1. dass die Ihnen angebotenen Stellen keine ausreichende Bezahlung bieten,
2. dass man Ihnen die ausgeschriebenen Stellen nicht anbietet, da Sie nach dem Durchlauf von Auswahlverfahren (anscheinend) nicht ins Profil passen,
3. dass Sie nicht genau einschätzen können, ob Sie sich in Vorstellungsgesprächen richtig verkaufen.

Zu 1.: Ist diese schlechte Bezahlung allgemein üblich für Ihre Branche? Hat es etwas damit zu tun, dass Unternehmen in Ihrer Region wenig zahlen? Liegt es an den Arbeitsbereichen für die Sie sich bewerben, dass die Gehaltsangebote so gering sind? Wie viel Berufserfahrung bringen Sie schon mit? Bewerben Sie sich auf Stellen, die für Berufsanfänger ausgeschrieben sind und erhalten darum diese finanziellen Angebote? Werden Ihnen Gehaltsangebote von als fixe Obergrenze präsentiert oder könnten Sie durch geschickte Verhandlung noch mehr herausholen? Besteht ggf. die Chance, nach Antritt einer schlechter bezahlten Stelle schnell mehr verdienen zu können?
Versuchen Sie zu analysieren, was zu den von Ihnen beschriebenen Gehaltsangeboten führt und ob Sie aufgrund Ihres Bewerbungsverhaltens Einfluss darauf nehmen können? Das könnte bedeuten, sich gezielter auf Stellen und bei Unternehmen zu bewerben, bei denen Sie davon ausgehen können, dass die Bezahlung höher ist. So vermeiden Sie es, unnötig Energie in Bewerbungen zu stecken, die von vorne herein nicht zu einer für Sie adäquaten Stelle führen.
Ich bin keine Fachfrau in Ihrem Tätigkeitsfeld und kann nicht einschätzen, wie die üblichen Gehaltsstrukturen aussehen. Ich kann auch nicht einschätzen, wie viel Geld Sie für Ihren Lebensunterhalt benötigen. Legen Sie für sich fest, wie viel Geld Sie mindestens verdienen müssten. Die Annahme einer schlechter bezahlten Stelle könnte für Sie sinnvoll sein, wenn Sie finanzielle Entwicklungsperspektiven für sich erkennen können oder aber auch wenn Sie dort auf jeden Fall mehr verdienen würden als mit Ihrer freiberuflichen Tätigkeit. Manchmal ist es auch sinnvoll, eine Stelle anzunehmen, um sich dann nach einiger aus einem Arbeitsverhältnis heraus auf neue Stellen bewerben zu können.

Zu 2.: Sie werden zu Gesprächen und Auswahlverfahren eingeladen, im Anschluss sagt man Ihnen aber, dass Sie nicht auf die ausgeschriebene Stelle passen. Ihre schriftlichen Bewerbungsunterlagen scheinen Unternehmen von Ihrer Eignung für die Stellen zu überzeugen. Auch die persönlichen Auswahlgespräche verlaufen teilweise erfolgreich. Dann kommt es laut Ihrer Beschreibung aber zu einem Bruch, die Stelle wird Ihnen doch nicht angeboten. Da ich Sie weder persönlich kenne noch mehr Details über den Verlauf der Auswahlverfahren habe, kann ich Ihnen an dieser Stelle nur ein paar Fragen stellen, die Sie als Anregung zu Analyse der Situation nutzen können: Was genau passiert da? Wie verhalten Sie sich? Wie präsentieren Sie Ihre Eignung für die ausgeschriebenen Stellen im persönlichen Gespräch bzw. im Auswahlverfahren? Wie könnten Sie noch deutlicher machen, dass Sie sowohl die fachlichen als auch persönlichen Voraussetzungen dafür mitbringen? Können Sie in Ihrem Verhalten Verbesserungsmöglichkeiten festmachen? Sind vielleicht andere BewerberInnen noch besser qualifiziert? Könnte es etwas mit Ihrer Lebenssituation zu tun haben und wie Sie diese schildern?

Zu 3.: Was veranlasst Sie anzunehmen, dass Sie zu dominant auftreten? Sind es konkrete Rückmeldungen, die Sie erhalten oder vermuten Sie dies, da Sie insgesamt ein eher dominanter Typ sind? Neben der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche ist meiner Meinung nach auch eine gute Nachbereitung nützlich, um für künftige Situationen zu lernen. Nehmen Sie sich die Zeit und bereiten Sie auf, was gut und was weniger gut gelaufen ist. Aus Antworten auf Fragen oder Reaktionen von Ihnen, die Sie nicht optimal fanden, können Sie für das nächste Gespräch lernen. Wie würden Sie es noch besser machen? Wenn Sie die passende Person dafür in Ihrem Umfeld haben, dann können Sie sich dabei auch Unterstützung holen. Der Partner, eine gute Freundin oder Menschen mit dem gleichen beruflichen Background könnten Ihnen helfen. Eine weitere Möglichkeit kann auch die professionelle Unterstützung eines Bewerbungscoaches oder der Besuch eines Bewerbungstrainings sein.

Eine genauere Analyse Ihres Bewerbungsverhaltens, die Verbesserung von Schwachstellen und das Beibehalten der schon existierenden Stärken in Ihren Unterlagen und bei Vorstellungsgesprächen kann Ihnen bei der erfolgreichen Suche nach einer neuen Stelle weiterhelfen.

Ich wünsche viel Erfolg bei der Suche nach einer interessanten und gut bezahlten Arbeitsstelle.

Mit freundlichen Grüßen
Katrin Schürmann



Beraterin
Katrin Schürmann
 
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